Juli 2017

Auf den Spuren alter GartenkunstZeitreise:

Auf den Spuren alter Gartenkunst

 

Während des Mittelalters waren Klöster in Europa vor allem die Orte der Wissensbewahrung, des Kulturaustausches und der Ausbildung der weltlichen und geistigen Eliten. Als Schreiber und Übersetzer ausgebildete Ordensbrüder und -schwestern arbeiteten in den Klosterbibliotheken daran, antike und arabische Schriften – darunter viele wichtige naturwissenschaftlich-medizinische Texte – zu übersetzen und mit Erkenntnissen der Volksmedizin und eigenen Beobachtungen zu bereichern. Dadurch wurden Klöster auch die Zentren der europäischen Heilkunst. In ihren Gärten fanden sich viele der heute noch bekannten Heilpflanzen, die schon damals der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung dienten. Meist wurden die Heilpflanzen in streng formalen Gärten in kleinen quadratischen Beeten angebaut, die mit Buchsbaum umrandet waren. Neben einem Heilkräutergarten hatte jedes Kloster meist noch einen Gemüse- und einen Obstgarten, die teilweise ineinander übergingen. Mit dieser Kombination von Heil-, Nutz- und Ziergarten und der Art ihrer Gestaltung waren Klostergärten Vorreiter der Bauern- und Nutzgärten späterer Jahrhunderte.



Klösterliches Wissen

Zwei bedeutende Pflanzenkundige des Mittelalters, deren Erkenntnisse bis heute hoch geschätzt werden, sind Wahlafried Strabo und Hildegard von Bingen. Strabo war Abt des Klosters Reichenau und Begründer des dortigen Klostergartens. Im Jahre 827 schrieb er eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters, das „Liber de cultura hortorum“ („Von der Pflege der Gärten“), auch bekannt als „Hortulus“. In Versform sind in diesem Werk 23 Heilpflanzen aufgeführt. In seinem Buch schildert Strabo die praktischen Erfahrungen, die er in seinem eigenen Klostergarten gesammelt hatte. Die Marburger Äbtissin Hildegard von Bingen beschreibt in ihrem Buch „Physica“ („Naturkunde“, entstanden zwischen 1150 und 1160) unter anderem ausführlich Wesen und Wirken von mehr als 500 Pflanzen. Im Teil „Causae et Curae“ („Ursachen und Behandlung von Krankheiten“) berichtet sie detailliert über die Wirkung von Heilpflanzen wie zum Beispiel Alant (Dittrichia), Brennnessel (Urtica), Tausendgüldenkraut (Centaurium), Bachbunge (Veronica beccabunga), Ysop (Hyssopus), Lavendel (Lavandula) und Mariendistel (Silybum).



Wie früher

Auch heutzutage können Heil- und Nutzpflanzen den eigenen Garten bereichern. Viele blühende Heilpflanzen – häufig Stauden, die über mehrere Jahre wachsen und gedeihen – sind vor allem im Sommer eine echte Zierde. Für einen Klostergarten en miniature braucht man nicht viel Platz. Es reicht ein kleiner Hausgarten, um in seinen Genuss zu kommen. Schon in den traditionellen Klostergärten wusste man, welche Pflanzenkombinationen für eine gesunde Mischkultur geeignet waren. Für den modernen Gärtner lassen sich aus diesen alten Vorbildern bewährte Beetgestaltungen ableiten: Thymian, Salbei (Salvia), Studentenblume (Tagetes) und Ringelblume (Calendula) fanden sich früher bunt gemischt in jedem Klostergarten. Große Kräuter wie Beifuß (Artemisia), Engelwurz (Angelica), Eibisch (Althaea) und Malve (Malva) bilden einen geeigneten Beethintergrund. Die Beetumrandung muss keineswegs immer aus Buchsbaum bestehen, je nach Standort eignen sich dazu auch Lavendel, Heiligenkraut (Santolina), Eberraute oder sogar Duftveilchen (Viola). Einjährige wie Dill und Kerbel passen zum Beispiel hervorragend in ein Gemüsebeet, während wiederum Staudenkräuter wie Estragon, Zitronenmelisse und Frauenmantel (Alchemilla) bestens zwischen Rosensträuchern, Phlox und Pfingstrosen (Paeonia) gedeihen. Neben der Rose standen in den Klostergärten auch die Madonnen- und die Schwertlilie (Iris) als Heilpflanzen hoch im Kurs. Eine bewährte Kombination ist auch intensiv duftender, beruhigender Lavendel und üppig blühende Rosen. Neigt sich der Sommer dem Ende zu, bescheren spätblühende Kräuter wie Königskerzen (Verbascum), Sonnenhut oder Wasserdost (Eupatorium) dem Garten ein farbenfrohes Finale. Mit Gewürz- und Heilpflanzen können aber nicht nur bunt blühende Rabatten, sondern auch sanfte Ton-in-Ton-Pflanzungen gestaltet werden: Blattkräuter in verschiedenen Grüntönen, kombiniert mit abwechslungsreichen Blattstrukturen – wie zum Beispiel Petersilie, Zitronenmelisse und Pimpinelle – passen besonders gut in formal gestaltete Gärten.


Knackige Frische

Selbst auf kleinen Grundstücken kann zusätzlich ein kleiner Obstgarten angelegt werden, wenn Spalierobst, zum Beispiel Sauerkirschen, Birnen, Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen, an der Hauswand hochgeleitet werden. Wer möchte, kann das Spalierobst auch dachförmig wachsen lassen. Nach einiger Zeit entsteht dadurch eine gemütliche Laube, die im Sommer Schatten spendet. Eine Reihe aus niedrigen Apfelbäumen oder Hochstämmchen von Johannisbeeren und Stachelbeeren gliedert außerdem den Garten. Auch schmeckt Obst aus dem eigenen Garten immer noch am besten – damals wie heute!


Tipps:

  • Nicht alle Kräuter harmonieren miteinander, daher sollten beim Pflanzen die Standortbedingungen beachtet werden. Salbei, Rosmarin, Thymian, Oregano und Zitronenmelisse benötigen die gleichen Bedingungen für gutes Wachstum – viel Sonne, Wärme, einen trockenen, durchlässigen Boden und mäßiges Gießen.

  • Unter den heimischen Kräutern finden sich auch einige Schatten- und Halbschattenliebhaber, wie zum Beispiel Waldmeister und Bärlauch, Petersilie, Schnittlauch, Rauke und Kerbel, die zudem einen guten, nährstoffreichen Boden mögen.

  • Thymian ist ein wahres Wunder der Natur: Er ist ein schmackhaftes Würzmittel für viele leckere Gerichte und hat eine stark antibakterielle Wirkung. Thymian hilft bei Entzündungen im Hals- und Rachenraum und bei Erkrankungen der Atemwege.

  • Sonnenhut gilt bei den Indianern Nordamerikas als immunstärkendes Heilmittel. Auch wenn bekanntlich Indianer keinen Schmerz kennen: Gegen Kopfschmerzen verwenden sie die Blätter der Indianernessel (Monarda). PdM

 

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